Fünf kleine Kinder sind plötzlich ohne MutterDas ganze Dorf nahm Anteil am Schicksal von Wilhelm Blessing. Die Hochzeit von Wilhelm Blessing und seiner hübschen Frau Anna, geb. Reichardt fand 1928 in Holzgerlingen statt. In den folgenden Jahren kamen fünf Kinder auf die Welt: Michael (1929), Hartmut (1931), Adolf (1932), Johanna (1934) und Helene (1935). Nach der Geburt von Helene in der Klinik in Tübingen passierte das Unfassbare: die junge Mutter bekam eine falsche Blutübertragung, an deren Folgen sie nach 14 Tagen im Kindsbett verstarb. Wilhelm Blessing stand mit fünf kleinen Kindern alleine da! In Holzgerlingen, wo der Vater ein angesehener Bürger war, nahm jedermann Anteil an diesem schweren Schicksalsschlag. Nun war die Verwandtschaft gefragt und sie übernahm auch sofort die Verantwortung für die Kinderschar – der Vater musste ja werktags seinem Beruf nachgehen und Geld verdienen. Die drei Buben nahm gleich die unverheiratete Tante Lene zu sich, obwohl sie an einer starken Gehbehinderung litt. Sie hatte ein Haus in der Eberhardstraße, das sie zusammen mit ihrer Freundin Berta Volz bewohnte. Die Buben wurden dort streng aber liebevoll versorgt. Johanna kam in der Familie vom Onkel Paul, dem Bruder von Wilhelm Blessing, unter und wuchs in dessen Familie auf. Die kleine Helene blieb noch sechs Monate in der Klinik und wurde dann bei den Großeltern Blessing untergebracht. Jeden Sonntag versammelte der Vater seine Kinder um sich und machte mit ihnen einen großen Spaziergang, bei dem sie ihm ihre Erlebnisse der Woche mitteilen konnten. Die Kinder hatten zwar sehr großes Heimweh nach der Mutter, aber der Vater hatte viel Verständnis für sie. - Im Jahr 1943 beim Fliegerangriff auf Holzgerlingen kam neues Unglück auf die Familie zu. Das schöne Haus der Tante Lene wurde völlig zerstört und bei den Großeltern brannte die ganze Scheune ab. Die Buben kamen für einige Zeit zusammen mit der ebenfalls ausgebombten Nachbarin Luise Binder (Tante Lene war überraschend gestorben) in einem leer stehenden Häusle unter und zogen später ins Haus der Großeltern. Wilhelm Blessing starb 1970 und durfte sich daran erfreuen, dass alle seine Kinder gut geraten und – auf schwäbisch – „ebbes worda send“. Drei von ihnen (Michael, Adolf und Helene) sind inzwischen bereits verstorben, Hartmut lebt mit Familie in Holzgerlingen, seine Schwester Johanna in Stammheim. Wilhelm Blessing war ein großer Naturfreund und dichterisch begabt. Er schrieb im Jahr1927 ein lustiges Theaterstück in Holzgerlinger Mundart, das Textheft befindet sich im Archiv des Heimatmuseums. Unter dem Titel „Dr Beckamichls Frieder“ wurde es früher von Holzgerlinger Vereinen mehrmals erfolgreich aufgeführt. Er schrieb auch Gedichte über seine Heimat und den Schönbuch, obwohl er nicht viel Zeit dazu hatte. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres 2007 und gleichzeitig zum Schluss der „Dorfgeschichten“ veröffentlichen wir hier sein Gedicht, das er 1957 anlässlich der 950-Jahrfeier geschrieben hat: Hymne an unsere Schönbuchheimat Holzgerlingen
Allen Holzgerlingern zum Jahre 1957 gewidmet Wilhelm Blessing, Holzgerlingen
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